
Die Kriminalität im Libanon steht in engem Zusammenhang mit politischer Instabilität, wirtschaftlichem Zusammenbruch und schwachen staatlichen Institutionen. Obwohl der Libanon nicht zu den gefährlichsten Ländern im Nahen Osten gehört, haben die Kriminalitätsraten insbesondere seit der Finanzkrise 2019 deutlich zugenommen.
1. Organisierte Kriminalität
Die größten Herausforderungen entstehen durch kriminelle Gruppen in Regionen mit geringer staatlicher Kontrolle, insbesondere im Bekaa-Tal. Diese Gruppen sind aktiv in:
- Drogenproduktion und -handel
- Waffen-, Treibstoff- und Medikamentenschmuggel
- Menschenhandel
- illegalen Grenzübertritten nach Syrien
2. Korruption und Wirtschaftskriminalität
Korruption betrifft:
- öffentliche Verwaltung
- politische Führung
- den Bankensektor
Nach dem Finanzkollaps 2019 nahmen Geldwäsche, Betrug und Missbrauch im Privatsektor deutlich zu.
3. Anstieg der Straßen- und Alltagskriminalität
Die schwere Wirtschaftskrise – Währungszerfall, Arbeitslosigkeit, Inflation – führte zu einem Anstieg von:
- Diebstählen und Einbrüchen
- Raubüberfällen
- Straßenkriminalität
4. Politische und migrationsbezogene Faktoren
Spannungen zwischen bewaffneten Gruppen, gelegentliche politische Gewalt und die Präsenz von über einer Million syrischer Flüchtlinge belasten das libanesische Sicherheitssystem. Flüchtlinge sind nicht die Hauptquelle der Kriminalität, doch extreme Armut und schwache staatliche Strukturen fördern die allgemeine Instabilität.